“Immer machen Sie Probleme!”

Geschichten aus der Apotheke — Teil 8

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Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

Der Kunde: Teil 1

Ein etwa 50jähriger Mann kam zu mir an den HV-Tisch und überreichte mir ein Privatrezept mit einem angetackerten Kassenbon, sowie zusätzlich einem Kassenrezept.

Der Notdienst

Damit die Patienten rund um die Uhr versorgt werden können, haben Apotheken Notdienst.

Der Kunde: Teil 2

Der feine Herr, um den sich diese Geschichte dreht, hat nachts in der Notaufnahme eines Krankenhauses ein Antibiotikum verschrieben bekommen, das er sich bei uns dann im Notdienst abholte.

Die Ärztin

Während ich gerade einen Kunden bediente wurde ich von meiner Kollegin ans Telefon gerufen. Es war seine Ärztin. Wütend. Auf mich.

“Warum zahlen Sie ihm nicht sein Geld aus?”

Ich erklärte ihr mit einer Engelsgeduld, dass das in diesem Fall nur gehe, wenn sie ein Aut-idem-Kreuz setze.

“Nein, das stimmt nicht. Zahlen Sie ihm bitte das Geld aus. Ich werde kein Kreuz setzen.”

Ich erwiderte, ich könne ihm das Geld nur geben, wenn wir das Geld später von seiner Kasse bekämen und dafür müsse sie ein Aut-idem-Kreuz setzen, da es kein Rabattarzneimittel sei.

“Doch das geht schon!”

“Nein, das geht nicht!”

“Immer machen Sie Probleme! Als ich letztens in der Apotheke war, da haben Sie auch schon solche Probleme gemacht!”

(Ich kenne diese Ärztin nicht. Wahrscheinlich war mein “Probleme machen”, dass ich ihren Arztausweis sehen wollte, bevor ich ihr ein rezeptflichtiges Arzneimittel gab. Schließlich würde ich mich sonst strafbar machen.)

“Erstens mache ich nicht die Regeln und zweitens schon gar keine Probleme.”

Sie wiederholte, dass sie kein Aut-idem-Kreuz setzen werde und ich ihm das Geld geben müsse und überhaupt sei es Quatsch, was ich erzähle.

“Da Sie offensichtlich nicht in der Lage sind, das zu verstehen, brauchen wir auch nicht weitersprechen und Sie nicht meine Zeit vergeuden!”

Daraufhin legte ich den Hörer unsanft auf.

Der Kunde: Teil 3

Wer stand da leicht abseits und wartete auf mich? Mr. Give-me-my-money-back.

“Ich habe keine Lust, wie ein Ping-Pong-Ball immer hin und her zu rennen! Dann schreiben Sie mir genau auf, was sie machen soll!”

Darauf hatte ich aber keine Lust, da ich ihr bereits alles am Telefon erklärte und sie nicht bereit war, das Kreuz zu setzen.

“Geben Sie mir jetzt endlich mein Geld!”

Das Gespräch wurde immer hitziger. Er klang wie eine leiernde Schallplatte.

“OK, da weder Sie noch Ihre Ärztin verstehen wollen, dass es so nicht funktioniert, ist es mir jetzt zu blöd und ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen!”,

knallte ich ihm an den Kopf, drehte mich um und ging an meine Kasse, um den nächsten Kunden in der Schlange aufzurufen.

#DerApotheker

Es gibt Momente, da sagt ein Handschlag mehr aus als tausend Worte.

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